Streit der Lexika-Giganten Encyclopedia Britannica und Wikipedia geht in die zweite Runde

25. Januar 2009


 

Die Encyclopedia Britannica hat lange Zeit für sich beansprucht gegenüber der Online-Enzyklopädie Wikipedia validiere und qualitativ hochwertigere Aussagen zu treffen, weil die Informationen ausschließlich von Autoren mit nachweisbaren wissenschaftlichen Qualifikation ausgewählt werden und eine Redaktion die einzelnen Beiträge vor Veröffentlichung freigeben muss.
2005 wurde vom renommierten Wissenschaftsmagazin Nature eine Studie durchgeführt, die genau diese Frage klären sollte: Ist eine redaktionell überwachte, von Fachmännern erstellte Enzyklopädie tatsächlich qualitativ hochwertiger als eine gemeinschaftlich erstellte Online- Enzyklopädie?
Die Untersuchung zeigte: In Bezug auf schwerwiegende Fehler wie z.B. die falsche Auslegung wichtiger Theorien stand Wikipedia der Britannica nicht nach: In beiden Enzyklopädien konnten jeweils acht solcher Fehler festgestellt werden. Bei kleineren sachlichen Fehlern, Auslassungen und missverständlichen Formulierungen schnitt die Britannica mit 123 Fehlern etwas besser ab als Wikipedia mit 162 Mängeln. Der Vorsprung der Britannica ist insgesamt marginal: Im Durchschnitt enthielt ein Britannica-Artikel 3 Fehler, ein Wikipedia-Artikel 4 Fehler.
Wie bei anderen Studien sind solche Durchschnittsaussagen vorsichtig zu werten. Die durchschnittliche Qualität der Artikel sagt nur wenig über die Qualität der einzelnen Artikel aus. Bei Wikipedia kann davon ausgegangen werden, dass die Qualität von Artikel zu Artikel wesentlich stärker schwankt als bei der Encyclopedia Britannica. Auch sind die Artikel in der Encyclopedia Britannica besser strukturiert und frei von formalen Fehlern. Dennoch in einer Sache ist Wikipedia nach wie vor nicht zu überbieten und dass wäre das Thema Aktualität.
Nicht verwunderlich also dass die Encyclopedia Britannica nun zum Wiki wird. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind Nutzer der Online-Version|http://www.britannica.com/ eingeladen, bestehende Artikel gegebenenfalls zu erweitern und auch neue Artikel zu erstellen.
Theretisch eine gute Idee um z.B. das Google-Ranking zu verbessern und sich als echte Konkurrenz zu Wikipedia zu platzieren, wäre da nicht ein „kleiner“ Haken: Um alle Artikel lesen und editieren zu können, verlangt die Encyclopedia Britannica eine Anmeldung zum kostenpflichtigen Premium-Content (51 € im Jahr). Alle Artikel sind zwar zunächst frei aufrufbar, jedoch erhält jeder Leser nach einigen Sekunden die Aufforderung zum Login. Ob das die aktive Teilnahme tatsächlich verbessert, ist sehr fraglich.
Ein Klick auf die Seite zeigt, dass man hier besser erstmal daran arbeitet, die Seite schneller, übersichtlicher und insgesamt attraktiver zu machen.