Wikis ändern die Kommunikationsstrukturen in Unternehmen

17. November 2011


 

Vor rund zehn Jahren habe ich ein Praktikum in einer Unternehmensberatung gemacht. Wir sind von Kunde zu Kunde gefahren und haben im wesentlichen Kommunikationsprobleme behoben. Hätte ich eine Strichliste angefertigt, welche die meist gesagten Sätze festgehalten hätte, wären auf den ersten Plätzen sicherlich: „Das hat mir niemand gesagt“, „Wie hätte ich das wissen sollen“ und natürlich als Gegenposition „Kommunikation ist keine Einbahnstraße!“ zu finden gewesen.
V.a. an typischen Schnittstellen (z.B. Schichtwechsel oder auch Top-Down-Unternehmenskommunikation) gab es Reibungsverluste bzw. wichtige Informationen erreichten ihren Empfänger nicht. Unterm Strich führte das bei den Mitarbeitern zu Unzufriedenheit und kostete dem Unternehmen Geld. Mit dem „mir sagt man ja ohnehin nichts“-Argument zogen sich manche Mitarbeiter zurück und übernahmen immer weniger Verantwortung – selbst für ihre eigenen Aufgaben.
Auf dem Symposium „Wissen und Macht“ am 10. und 11. November 2011 zeigte einer der Referenten ein passendes Bild zu dieser „Feed Knowledge“-Kultur: Ein Vogelnest in dem mehrere kleine Vögel mit weit aufgesperrten Mäulern darauf warten, gefüttert zu werden.

Foto: Bruce, „Falalala-LAAAAAAAAAAAAA!“
Some rights reserved
Quelle: www.piqs.de

Wikis läuten das Ende dieser Kultur ein. Das merke ich im Arbeitsalltag selbst immer mehr. Unser Intranet ist gefüllt mit fast allen wichtigen Informationen. Dass ich an einem Tag vielleicht nicht im Büro war und deswegen eine Sitzung verpasst habe, kommt natürlich vor. Allerdings habe ich immer die Möglichkeit die wichtigsten Punkte im Intranet nachzulesen. Das ist meine Verantwortung. Natürlich steht nicht ALLES in unserem Intranet – aber man kann sich eben nicht mehr bequem zurücklehnen und sagen: Ich weiß von nichts, das hat mir niemand gesagt. Wenn ich etwas nicht verstehe oder mir Details fehlen, ist es plötzlich meine Aufgabe aktiv nachzufragen und nicht die Aufgabe desjenigen, der die Informationen bereits verteilt hat. Das war am Anfang eine Umgewöhnung. Heute habe ich mich damit angefreundet und habe das Gefühl auf viel mehr relevante Informationen zurückgreifen zu können als „früher“. Ich kenne die Verantwortlichen, ich bin immer in der Lage mit einen Grundstock an Informationen zusammen zu sammeln und kann dann auf die entsprechenden Personen zugehen und meine restlichen Fragen los werden.